Schöne Aussicht (?)

Ein Klappstuhl reist durch die spektakulärsten Kulissen Südtirols – auf die Seceda, nach St. Magdalena ins Villnösstal, an die Drei Zinnen, an die Vajolettürme, an den Pragser Wildsee, in die einstige Kurstadt Meran. Er wird mitten in die Postkartenmotive gestellt: zwischen Selfie-Sticks und Gondelschlangen, zwischen Wanderern in Sandalen, die die Anhöhe nicht zu Fuß erklommen haben, zwischen Menschen, die durch private Wiesen trampeln, ohne es zu merken – oder zu wollen.
Wer sich hinsetzt, bekommt vor allem zwei Fragen gestellt, wenn er/sie Tourist:in ist: Was gefällt Ihnen hier? Warum sind Sie hier? Einheimische bekommen eine dritte: Wohin führt das alles? So entsteht ein Kaleidoskop aus Ahnungslosigkeit und Sehnsucht – Besucher, die teils nicht mal die Region namentlich benennen können, aber jeden Hashtag dazu, und Einheimische, die teils entnervt, teils pragmatisch zusehen, aber auch einordnen, wie ihre Heimat zur Kulisse wird.
Der Titel trägt die Doppeldeutigkeit im Namen: die Aussicht auf die Bergwelt – und die Aussicht auf die Zukunft. Das Fragezeichen fragt: Ist sie wirklich schön – und für wen? Humorvoll, unaufgeregt, ohne Zeigefinger hält der Film den Spiegel hin – auch als Einladung, das eigene Reiseverhalten zu hinterfragen, stellvertretend für jeden Sehnsuchtsort der Welt.
Regisseurin/ Gestalterin: Karin Duregger
Kamera/ Drohnenpilot: Manfred Unterpertinger
Schnitt: Lorenzo Misia
Tonmeister: Werner Costabiei
